Still Life. Almost.

Stillleben von Sebastian Schmidt und Joachim Rissmann

Vernissage: Donnerstag, 3. Dezember 2026, 19 Uhr
Laufzeit: 5. Dezember 2026 bis 30. Januar 2027
Öffnungszeiten: Mittwoch 14–19 Uhr, Samstag 12–18 Uhr
Artist Talk: Mittwoch, 13. Januar 2027, 19 Uhr, mit Sebastian Schmidt, Joachim Rissmann und Ludwig Rauch
Galerie Van Alom, Südwestkorso 65, 12161 Berlin

Obst, Gemüse, eine Blüte: Kaum ein Motiv scheint so vertraut wie das Stillleben, in der Malerei wie in der Fotografie. Seit Jahrhunderten arrangieren KünstlerInnen Früchte auf Tischen und vor dunklem Grund, um von Fülle, Schönheit und Vergänglichkeit zu erzählen. Die beiden Fotografen dieser Ausstellung greifen das alte Genre auf und befragen es auf ganz unterschiedliche Weise.

Komplott – Sebastian Schmidt

©Sebastian Schmidt: Pfirsich mit Schere

In Sebastian Schmidts Serie „Komplott“ geht es laut zu. Rostige Nägel durchbohren Himbeeren, Zwingen pressen überreife Granatäpfel, Schrauben bohren sich in weiches Fruchtfleisch. Was wie ein gefälliges Arrangement beginnt, wird zum Angriff: Das Werkzeug hat sich gegen das Obst verschworen. Die Bilder tun fast weh und erinnern an das barocke Vanitas-Stillleben, in dem angefaulte Früchte an die Vergänglichkeit mahnten.

Was sich entzieht – Joachim Rissmann

©Joachim Rissmann: Birne im Dunkel

Joachim Rissmanns Serie „Was sich entzieht“ ist dagegen still. Eine Zitrone schwebt wie ein Planet im Dunkel, Konturen verschwimmen, und man fragt sich: Eine Birne? Ein Lauch? Eine Hyazinthe? Hier sind Licht und Dunkel die eigentlichen Werkzeuge. Was das Licht erreicht, gewinnt Form, was es nicht erreicht, bleibt Ahnung. Die Bilder erinnern an den spanischen Bodegón, in dem Früchte vor tiefschwarzem Grund zu schweben scheinen.

Zwei Haltungen, eine Frage

So treffen zwei Haltungen aufeinander. Bei Schmidt wird das Obst bedrängt, bei Rissmann darf es ganz bei sich sein. Der eine zeigt den Verfall als Bedrohung, der andere lässt die Zeit im Halbdunkel unscharf werden, bis frisch und welk gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Und doch kreisen beide um dieselbe Frage: Was ist Schönheit, wenn sie verletzlich ist und vergeht?

Wer zwischen den Serien hin- und hergeht, erlebt, wie unterschiedlich ein scheinbar harmloses Motiv wirken kann, einmal verstörend, einmal meditativ. Beide Male lohnt der genaue Blick.

Die Fotografen

Sebastian Schmidt

Sebastian Schmidt, geboren in Berlin, lebt und arbeitet in Brandenburg. Er ist Mitglied der Meisterklasse Ludwig Rauch. Nach Stationen in der Werbung und in Unternehmensberatungen war er Mitgründer des Instituts für inklusive Organisationsentwicklung. Seit 2015 widmet er sich der Fotografie, unter anderem am photocentrum bei Klaus W. Eisenlohr, in der freien Fotoklasse von Thomas Michalak und an der Ostkreuzschule. Seine Arbeiten waren in zahlreichen Gruppenausstellungen zu sehen, darunter 2023 im Kunstquartier Bethanien, wo die Ausstellung den Jurypreis des Monats der Fotografie-OFF erhielt. 2024 zeigte er seine Einzelausstellung „Mutterliebe“ im Rathaus Kleinmachnow, 2025 stellte er mit der Meisterklasse Ludwig Rauch im Stammelbachspeicher Hildesheim aus.

Joachim Rissmann

Joachim Rissmann, geboren 1963, lebt und arbeitet in Berlin. Seit 2006 hat er unter dem Namen Photoplatz mehr als 70 Ausstellungen von FotografInnen gezeigt, lange Zeit in seinem damaligen Hotel Bogota, später an wechselnden Orten. Darunter waren auch seine eigenen Einzelausstellungen „Dazwischen“ und „Vanitas Vegana“. Seit 2025 ist der Photoplatz in der Galerie Van Alom am Südwestkorso 65 in Berlin-Friedenau zu Hause. Dort zeigt Rissmann eigene Arbeiten und wechselnde Fotoausstellungen.